Elektrostatische Aufladungen entstehen bei nahezu jedem Materialfluss, jeder Schüttung und jeder Förderung und doch werden sie als Zündquelle im Explosionsschutz regelmäßig unterschätzt. Die Gründe liegen auf der Hand: Elektrostatik ist unsichtbar, die physikalischen Zusammenhänge sind komplex und die normative Landschaft (TRGS 727, IEC 60079-32) hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt.
In unserer täglichen Beratungspraxis und in den Rückfragen unserer Kunden begegnen uns dabei immer wieder ähnliche Fragestellungen. Fünf davon möchten wir Ihnen vorstellen – nicht, um sie hier abschließend zu beantworten, sondern um zu zeigen, warum Elektrostatik ein Thema ist, das vertiefte Aufmerksamkeit verdient.
1. „Mein Boden ist ableitfähig – reicht das nicht?``
Ein ableitfähiger Bodenbelag ist eine wichtige Schutzmaßnahme, aber eben nur ein Baustein. Entscheidend ist die gesamte Ableitkette: vom Schuhwerk über den menschlichen Körper bis hin zu allen leitfähigen Gegenständen im Bereich. Wird ein Element unterbrochen, etwa durch isolierende Schuhsohlen oder eine verschmutzte Oberfläche, kann sich eine Person aufladen, ohne es zu bemerken. Die resultierende Funkenentladung reicht in vielen Fällen aus, um ein explosionsfähiges Gemisch zu entzünden.
2. „Welcher FIBC-Typ ist in meiner Zone zulässig?``
Die Auswahl des richtigen FIBC-Typs (A, B, C oder D) hängt nicht nur von der Zone ab, sondern auch von der Mindestzündenergie des Produkts, der Schüttgeschwindigkeit und der Umgebung. In der Praxis erleben wir häufig, dass Typ-D-Säcke eingesetzt werden, ohne dass die notwendigen Randbedingungen (z. B. geerdete Umgebung) tatsächlich gegeben sind oder dass die Dokumentation veraltet ist.
3. „Wie oft muss ich Erdungsanschlüsse prüfen?``
Die TRGS 727 fordert regelmäßige Prüfungen, aber was heißt „regelmäßig“ konkret? In der Praxis hängt das Prüfintervall stark von der Beanspruchung ab. Ein Erdungskabel an einer stationären Anlage ist anders zu bewerten als ein Klemmkontakt, der täglich an wechselnde Gebinde angeschlossen wird. Viele Betriebe unterschätzen den Verschleiß mechanischer Kontakte.
4. „Können nichtleitende Beschichtungen zum Problem werden?``
Ja, und das ist ein klassisches Beispiel für nachträgliche Veränderungen, die im Explosionsschutzdokument nicht berücksichtigt werden. Eine neue Bodenbeschichtung, ein Anstrich auf einem zuvor blanken Flansch oder eine Kunststoffauskleidung kann die Ableitfähigkeit erheblich verschlechtern. Solche Änderungen werden selten als explosionsschutzrelevant erkannt.
5. „Wie bewerte ich elektrostatische Zündgefahren bei Schüttgütern mit hohem spezifischem Widerstand?``
Hier wird es physikalisch anspruchsvoll: Bei hochohmigen Schüttgütern (> 10¹⁰ Ohm mal Meter) können sich Raumladungen im Schüttgut selbst aufbauen, die durch Erdung allein nicht beseitigt werden. Schüttkegelentladungen oder propagierende Büschelentladungen sind mögliche Folgen und deren Vermeidung erfordert ein Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen.
Warum Theorie allein nicht reicht
Diese fünf Beispiele zeigen: Elektrostatik im Explosionsschutz lässt sich nicht allein aus Tabellen und Normentexten heraus sicher beherrschen. Es braucht ein physikalisches Verständnis der Auflade- und Entlademechanismen und die Fähigkeit, dieses Wissen auf die eigene betriebliche Situation zu übertragen.
Genau an dieser Stelle setzt unsere Fachschulung Elektrostatik am 29. Oktober 2026 in Düsseldorf an. Dr. Carsten Blum verbindet in seinem bewährten Format Live-Experimente mit einem individuellen Workshop: Die Teilnehmenden reichen vorab ihre konkreten Praxisfragen ein und erhalten Lösungsansätze, die direkt auf ihre Situation zugeschnitten sind.
„Elektrostatik ist ein Thema, das von der Anschauung lebt. Wer einmal gesehen hat, wie eine Schüttkegelentladung zündet, versteht die Schutzmaßnahmen der TRGS 727 mit anderen Augen. Genau deshalb setzen wir in dieser Schulung auf Live-Experimente und auf den direkten Austausch zwischen Teilnehmenden und Sachverständigem.“ — Dr. Klaus Wörsdörfer, Geschäftsführer weyer akademie
Ergänzt wird der Tag durch einen Praxisvortrag von Ralf Schiffel (Fachbereichsleiter Explosionsschutz, horst weyer und partner), der bewährte Lösungsansätze aus der täglichen Beratung vorstellt.
Schulung auf einen Blick:
- Thema: Elektrostatik im Explosionsschutz
- Datum: Mittwoch, 29. Oktober 2026, 09:00–17:00 Uhr
- Ort: Essential by Dorint, Düsseldorf
- Teilnehmerzahl: max. 30 Teilnehmende
- Frühbucherpreis: 690 € zzgl. MwSt. (bis 27.08.2026)
