Das Jahr 2025 hat für viele Industrieunternehmen sehr deutlich gezeigt, dass Cyber Security kein reines IT-Thema mehr ist. In Gesprächen mit Geschäftsführungen, Betriebsleitungen und technischen Verantwortlichen habe ich immer wieder denselben Satz gehört: „Wir hatten das Thema auf dem Schirm – aber nicht in dieser Tragweite.“
Cyberangriffe sind 2025 endgültig in der industriellen Realität angekommen. Nicht als abstrakte Bedrohung, sondern mit ganz konkreten Auswirkungen auf Produktion, Lieferfähigkeit, Sicherheit und Haftung.
2025: Von der Büro-IT in die OT – Cyberangriffe mit realen Produktionsfolgen
Auffällig im Jahr 2025 war nicht die reine Anzahl von Angriffen, sondern deren Wirkungstiefe. Relevante Vorfälle waren fast immer dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht an der Büro-IT haltgemacht haben, sondern unmittelbar oder mittelbar in den Produktionsbetrieb hineingewirkt haben.
Einige Beispiele, die für industrielle Betreiber besonders lehrreich sind:
- Mehrere kommunale und industrielle Energie- und Entsorgungsbetriebe in Deutschland meldeten 2025 Cybervorfälle, bei denen zentrale Leit- und Abrechnungssysteme ausfielen. In einzelnen Fällen kam es zu Einschränkungen im operativen Betrieb, weil Steuerungs- und Überwachungssysteme vorsorglich vom Netz genommen werden mussten.
- In der verarbeitenden Industrie gab es öffentlich bekannte Ransomware-Angriffe, bei denen Produktionslinien mehrere Tage stillstanden, weil Fertigungssteuerung, Rezepturverwaltung oder MES-Systeme nicht mehr verfügbar waren.
- Auch im Maschinen- und Anlagenbau wurden 2025 Fälle bekannt, bei denen Angriffe auf Entwicklungs- und Service-Infrastrukturen dazu führten, dass Fernwartungszugänge abgeschaltet werden mussten – mit direkten Auswirkungen auf Kundenanlagen.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat diese Entwicklung im aktuellen Lagebild sehr klar benannt: Angreifer zielen zunehmend auf Umgebungen, bei denen Betriebsunterbrechungen einen hohen wirtschaftlichen und zeitlichen Druck erzeugen. Genau das trifft auf industrielle Prozesse zu.
Betroffene Sektoren: Ein klares Muster
Über alle bekannten Vorfälle hinweg lassen sich für 2025 klare Schwerpunkte erkennen, die auch für 2026 relevant bleiben:
- Energieerzeugung und -verteilung
- Abfall- und Wasserwirtschaft
- Chemische und verfahrenstechnische Industrie
- Maschinen- und Anlagenbau
- Produktionsnahe Dienstleister mit Fernzugriffen auf Kundenanlagen
Gemeinsam ist diesen Bereichen, dass IT- und OT-Systeme eng miteinander verzahnt sind. Angriffe beginnen häufig in klassischen IT-Strukturen, entfalten ihre Wirkung aber erst dort, wo Produktionsprozesse, Steuerungen oder sicherheitsrelevante Funktionen betroffen sind.
Für industrielle Entscheider ist das ein zentraler Punkt: Der Schaden entsteht nicht durch den Angriff selbst, sondern durch Produktionsstillstand, Sicherheitsrisiken und regulatorische Folgen.
Neue und kommende Regulierung: 2025 als Wendepunkt
Parallel zu den Vorfällen hat sich 2025 auch regulatorisch viel bewegt. Für viele Unternehmen war dieses Jahr die Phase des Übergangs – 2026 wird die Phase der Umsetzung und Prüfung.
Besonders relevant für die Industrie sind:
- Die nationale Umsetzung der NIS-2-Richtlinie, die den Kreis der betroffenen Unternehmen deutlich erweitert und klare Anforderungen an Risikomanagement, Meldepflichten und Verantwortung der Geschäftsleitung stellt.
- Der Cyber Resilience Act (CRA), der Hersteller und Inverkehrbringer von Produkten mit digitalen Elementen in die Pflicht nimmt – insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau.
- Die neue Maschinenverordnung, die Cyber Security explizit als Teil der grundlegenden Sicherheitsanforderungen verankert.
Diese Regelwerke haben eines gemeinsam: Sie betrachten Cyber Security nicht mehr isoliert, sondern als Bestandteil von Betriebs-, Produkt- und Anlagensicherheit. Für Geschäftsführungen bedeutet das konkret persönliche Verantwortung, Dokumentationspflichten und Haftungsrisiken.
Was sich 2026 für Unternehmen ändern wird
Aus meiner Sicht – und basierend auf Projekten und Gesprächen aus 2025 – werden sich 2026 drei Themen besonders zuspitzen:
Erstens: Prüf- und Nachweisdruck
- Behörden, Kunden und Partner werden nicht mehr fragen, ob Maßnahmen geplant sind, sondern wie sie umgesetzt und dokumentiert wurden. Risikobewertungen, Schutzkonzepte und Notfallpläne müssen nachvollziehbar vorliegen.
Zweitens: Fokus auf Produktionsfähigkeit
- Cyber Security wird stärker aus Sicht der Betriebsfähigkeit betrachtet. Die zentrale Frage lautet zunehmend: Was passiert konkret in unserer Anlage, wenn ein System ausfällt oder isoliert werden muss?
Drittens: Schnittstellen werden zum Risiko
- Fernwartung, externe Dienstleister, Cloud-Anbindungen und hybride Architekturen bleiben ein zentrales Einfallstor. Unternehmen müssen diese Übergänge verstehen und beherrschen – organisatorisch und technisch.
Cyber Security in der Industrie: Was Unternehmen jetzt konkret tun müssen
Für industrielle Betreiber ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Cyber Security strukturiert anzugehen – nicht als IT-Projekt, sondern als Bestandteil der Unternehmens- und Anlagenverantwortung.
Aus meiner Erfahrung bewährt sich dabei ein schrittweises Vorgehen:
- Klare Abgrenzung von IT- und OT-Geltungsbereichen
- Realistische Risikoanalysen mit Bezug auf Produktion und Sicherheit
- Ableitung umsetzbarer Maßnahmen statt theoretischer Konzepte
- Einbindung von Geschäftsleitung und Betriebsverantwortlichen von Anfang an
Genau hier setzen wir in unserer täglichen Arbeit an: an der Schnittstelle zwischen Technik, Organisation und regulatorischen Anforderungen – mit dem Ziel, Sicherheit praxistauglich und nachvollziehbar umzusetzen.
2025 war für viele Industrieunternehmen ein Jahr der Erkenntnis. 2026 wird das Jahr der Entscheidungen. Wer jetzt handelt, schafft nicht nur Compliance, sondern vor allem Stabilität und Planungssicherheit im Betrieb.
Der Austausch dazu beginnt oft mit einfachen Fragen – und genau dafür sollte Raum sein.
Warum die weyer gruppe?
Die weyer gruppe bringt über 45 Jahre Erfahrung in den Bereichen Engineering und Consulting mit. Ergänzt wird dieses Know-how durch ein Team mit langjähriger Erfahrung im IT- und OT-Sicherheitsumfeld. Zudem sind wir nach ISO 9001 zertifiziert, was die Qualität unserer internen Prozesse unterstreicht und uns zu einem zuverlässigen Partner macht.
Unsere Leistungen umfassen:
- Unterstützung bei der Umsetzung von Standards wie ISO 27001, IEC 62443 oder TRBS 1115-1
- Technische Dokumentation, Risikoanalysen und Compliance-Management
- Sicherheitskonzepte und Schulungen speziell für IT- und OT-Infrastrukturen
- Ergänzung der IT/OT-Sicherheit durch unsere jahrzehntelange Erfahrung in der „klassischen“ Anlagen- und Prozesssicherheit sowie der Anlagenplanung (z.B. Brandschutz, Gewässerschutz, Explosionsschutz, Anlagen- und Arbeitssicherheit).
Mit unserem interdisziplinären Ansatz helfen wir Unternehmen, technische und organisatorische Herausforderungen zu meistern, für sichere und effiziente Prozesse, die langfristig Bestand haben.
